Bauabzugssteuer und wie man sie vermeiden kann !

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Handwerker und Freistellungsbescheinigungen… Ab wann braucht ein Handwerker überhaupt eine?
Bauleistungen und das Steuerrecht. Kein Thema beschäftigt die Finanzverwaltung so sehr wie die Baubranche. In den letzten Jahren waren es meist umsatzsteuerliche Probleme. Immer wieder stellen wir fest, dass der ein oder andere Unternehmer keine gültige Freistellungsbescheinigung besitzt.

Dieser Blogbeitrag widmet sich der Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG und der Frage, wann überhaupt eine Freistellungsbescheinigung benötigt wird.

Bauleistungen im B2B Bereich
Wird ein Bauunternehmer von einem anderen Unternehmer (Bauherr) beauftragt, ein Gewerk zu erstellen, fällt regelmäßig Bauabzugssteuer in Höhe von 15 % an. Der Bauherr ist dann verpflichtet, die Bauabzugssteuer an das zuständige Finanzamt abzuführen. Um der Zahllast zu entgehen, kann der Bauherr vom leistenden Unternehmer eine Freistellungsbescheinigung fordern.

Freistellungsbescheinigung beim zuständigen Finanzamt beantragen
Beim zuständigen Finanzamt kann der leistenden Unternehmer eine Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG beantragen. In der Regel stellt der zuständige Bezirk diese auch ohne Zögern aus. Wichtig ist, dass das zuständige Finanzamt keinen Zweifel daran hat, dass der Bauunternehmer seinen steuerlichen Pflichten auch zuverlässig nachkommt. Hier schaut der Fiskus meist auf das Abgabeverhalten der Steuererklärungen und die Zahlungsmoral des Steuerpflichtigen. Sind Zahlungen offen, kommt es auf das jeweilige Finanzamt an, ob und wenn ja wie lange eine Freistellungsbescheinigung erteilt wird.

Die Freistellungsbescheinigung wird höchstens für 3 Jahre erteilt. Danach muss vom Bauunternehmer ein neuer Antrag auf Erteilung gestellt werden.

Tipp: Achten Sie als Unternehmer darauf, wann Ihre Bescheinigung abläuft und stellen Sie vorsorglich vor Ablauf der aktuellen Bescheinigung schon einen Antrag auf eine Neue!

Wurde dem Bauunternehmer die Freistellungsbescheinigung erteilt, legt er diese dem Leistungsempfänger vor. Der Leistungsempfänger zahlt dann wie gewohnt den gesamten Rechnungsbetrag.

Was tun, wenn der Unternehmer keine Freistellungsbescheinigung hat?
Kann der beauftragte Unternehmer keine Freistellungsbescheinigung vorlegen, muss der Leistungsempfänger die Bauabzugsteuer bis zum 10. des Folgemonats anmelden, in dem die Bezahlung erfolgte. Zeitgleich ist der einbehaltene Betrag an das Finanzamt zu überweisen.

Der Bauherr händigt dann dem Bauunternehmer eine Bescheinigung über die gezahlte Bauabzugssteuer aus. Diese Bescheinigung vom Unternehmer kann formlos oder eine Kopie der Steueranmeldung sein.

Die gezahlte Bauabzugssteuer wird vom Finanzamt auf folgende Steuern des Bauherrn angerechnet:

  1. Vorausbezahlte Lohnsteuern
  2. Vorauszuzahlende Einkommen- und Körperschaftsteuern
  3. Einkommen und Körperschafsteuer am Jahresende
  4. Selbst vom Bauunternehmer zu zahlende Bauabzugsteuer

Eine Anrechnung auf die Umsatzsteuer kann nicht erfolgen.

Prüfen der Freistellungsbescheinigung
Ob eine Freistellungsbescheinigung gültig ist, kann man über folgende Internetadresse abfragen:

https://eibe.bff-online.de/eibe/ 

Eine kostenlose Registrierung ist jedoch notwendig.

Stellt sich aufgrund der Abfrage heraus, dass der leistende Unternehmer keine gültige Bescheinigung hat, muss der Auftraggeber die Bauabzugsteuer einbehalten und abführen.

Die Ausnahmen

  • Wenn im Kalenderjahr nicht mehr als 5.000 € an einen einzelnen Bauunternehmer gezahlt wird.
  • Bei einer umsatzsteuerfreien Vermietung liegt die Grenze bei 15.000 €

Pauschbeträge für Sachentnahmen 2019

Foto: Marvin Siefke / pixelio.de

Der Hintergrund

Wer Lebensmittel oder zubereitete Speisen verkauft, entnimmt gelegentlich auch Produkte für den eigenen Bedarf. Diese Entnahme muss versteuert werden.

Jedes Jahr ermittelt das Statistische Bundesamt auf der Grundlage der ermittelten Aufwendungen privater Haushalte für Nahrungsmittel und Getränke die Pauschbeträge für unentgeltliche Wertabgaben. Diese beruhen auf Erfahrungswerten.

Der Unternehmer hat somit die Möglichkeit, die Warenentnahmen monatlich pauschal zu verbuchen und muss nicht Einzelaufzeichnungen führen.

Die pauschalen Werte berücksichtigen im jeweiligen Gewerbezweig die allgemein üblichen Produkte. Bei gemischten Betrieben, wie z. b. Fleischerei/Metzgerei oder Bäckerei mit Lebensmittelangebot oder Gaststätten, ist nur der jeweils höhere Pauschbetrag der entsprechenden Gewerbeklasse anzusetzen.

Weitere Infos unter:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Weitere_Steuerthemen/Betriebspruefung/Richtsatzsammlung/2018-12-12-pauschbetraege-2019.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Sprechen Sie uns an. Wie helfen Ihnen gerne weiter.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.

Der Steuerblog: „Brexit-Folgen für deutsche Unternehmer“

Steuerblog auf Osthessen-Zeitung

„In rund einem Monat ist es soweit. Großbritannien scheidet aus der EU aus. Ob der Ausstieg weich oder hart wird, ist bislang immer noch nicht entschieden. Viele Politiker und Unternehmer gehen aktuell von einem harten Brexit aus. Doch was bedeutet das eigentlich aus steuerrechtlicher Sicht und betrifft der Brexit auch Unternehmen aus Hessen? In diesem Blogbeitrag möchte ich die umsatzsteuerlichen Probleme des Brexits näher erläutern.

 

Was bisher geschah…

Mit einem nationalen Referendum haben sich die Einwohner Großbritanniens am 23. Juni 2016 dazu entschlossen, die EU zu verlassen. Am 29. März 2017 wurde dann der Europäische Rat über das Austrittsvorhaben der Britten in Kenntnis gesetzt. Danach gilt eine Frist für das Ausscheiden von zwei Jahren, bis das Land Großbritannien zwangsweise aus der EU ausscheidet. Das Austrittsdatum wäre somit der 30. März 2019. Im März des vergangenen Jahres haben sich die EU und Großbritannien darauf geeinigt, dass es nach dem Austritt aus der EU ein Übergangsabkommen geben soll. Hintergrund war garantierte Zugang Großbritanniens zum Binnenmarkt und der Zollunion bis Ende 2020. Eigens hierfür wurde ein Austrittsabkommen verhandelt, ohne welches man nicht zu dem Zugeständnis von Übergangsregelungen bereit ist. Bis heute wurde das Austrittsabkommen von Seiten Großbritanniens nicht akzeptiert und es kreist somit weiterhin das Gespenst des harten Brexits durch unsere Medienlandschaft.

Der „harte Brexit“ und der mögliche Wegfall der innergemeinschaftlichen Lieferung

Innerhalb der europäischen Union können Unternehmer Waren von einem europäischen  Staat in den anderen als innergemeinschaftliche Lieferung behandeln. Dies garantierte bislang die europarechtliche Warenverkehrsfreiheit. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU werden die bislang steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferungen zu Ausfuhrlieferungen. Auch diese Lieferungen sind dann als steuerfrei zu behandeln, doch sind bei den Ausfuhren die Nachweisanforderungen ein wenig strenger. So muss meist der Ausgangsvermerk im elektronischen Ausfuhrverfahren Atlas eingeholt und aufbewahrt werden. Auf britischer Seite ist es dann möglich, dass eine Einfuhrumsatzsteuer erhoben wird.

Gleiches gilt für Deutschland. Wenn der Unternehmer Waren aus dem Nicht EU Mitgliedsstaat Großbritannien bezieht, muss der Unternehmer eine Einfuhr anmelden.

 

Dienstleistungen an Unternehmer und Privatpersonen

Bei Dienstleistungen zwischen Unternehmern mit Sitz in Deutschland und Großbritannien kann die Prüfung der Unternehmereigenschaft des britischen Unternehmers nicht mehr wie bisher mit der qualifizierten Abfrage der Umsatzsteueridentifikationsnummer erfolgen. Hier ist aktuell fraglich, wie der Unternehmernachweis erbracht werden kann. Aller Voraussicht nach wird es darauf hinauslaufen, dass die jeweilige englische Finanzbehörde den jeweiligen Unternehmerstatus bestätigt.

Werden Dienstleistungen an Nicht-Unternehmer in Großbritannien ausgeführt, so führt es dazu, dass der Ort der sonstigen Leistung sich zum Ort des Leistungsempfängers nach Großbritannien verlagern würde. Dabei würde das Brexitland als Drittlandgebiet angesehen werden. Folgende Leistungen würden darunter fallen:

  • Dienstleistungen im PR- und Werbebereich
  • Dienstleistungen von Ingenieuren, Aufsichtsratsmitgliedern, Dolmetschern und Übersetzer, Rechtsanwälte sowie ähnliche Leistungen anderer Unternehmer, insbesondere die rechtliche, wirtschaftliche und technische Beratung
  • Die Vermietung von beweglicher körperlicher Gegenstände, ausgenommen Beförderungsmittel
  • Leistungen der Datenverarbeitung
  • Die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Patenten, Urheberrechten, Markenrechten und ähnlichen Rechten

Sollte es wirklich zu einem Austritt Großbritanniens kommen sollte dann auch geprüft werden, ob deutsche Unternehmer sich im Brexitland steuerlich registrieren müssen und darüber hinaus gegebenenfalls Steuererklärungspflichten bestehen.

 

Versandhandel – Wichtig für Onlinehändler

Nach den Regelungen des Paragrafen 3c Umsatzsteuergesetz verlagert sich der Ort der Lieferungen an Privatpersonen an den Ort des Empfängers. Die Versandhandelsregelung ist innerhalb der EU in jedem Mitgliedsstaat gleich, auch wenn die einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedliche Lieferschwellen haben. Nach dem Brexit fällt die Versandhandelsregelung für das Austrittsland weg. Die Lieferungen an Privatpersonen werden sodann als Ausfuhren behandelt.

 

Vorsteuervergütungsverfahren

Ausländische Unternehmer wird es durch das Vorsteuervergütungsverfahren gestattet, sich von einem deutschen Unternehmer in Rechnung gestellte Vorsteuer erstatten zu lassen. Dies gilt auch dann, wenn der Ausländer nicht für Zwecke der Umsatzsteuer registriert ist. Das Vergütungsverfahren gilt auch für Drittstaaten.

 

Die Vorbereitung auf den Brexit

Bis zum Brexit sind es noch knapp vier Wochen. Der Brexit muss dann auch in der Buchführung der deutschen Unternehmen berücksichtigt werden. Hier ist ratsam, dass die Rechnungsstellung und die elektronischen Buchführung (Anpassung der Steuerschlüssel) auf Brexittauglichkeit überprüft werden.

Kommt eine Einbindung Großbritanniens in eine Zollunion nicht in Betracht, würde aller Voraussicht nach wieder ein Zoll erhoben werden. Dies müsste bei der Preisgestaltung berücksichtigt werden. Ebenso wäre es eventuell ratsam bestehende Lieferketten zu überdenken.

Die britische Regierung hat im August 2018 eine Guidance veröffentlicht. Bei einem „No-Deal“- Szenario wird Großbritannien nach Ansicht der britischen Regierung als Drittstaat zu behandeln sein. Nachlesen können Sie die Guidance unter: www.gov.uk/government/publications/vat-for-businesses-if-theres-no-brexit-deal/vat-for-businesses-if-theres-no-brexit-deal

Es bleibt weiter spannend. Auch wenn wir das Thema bald nicht mehr hören können, betrifft es den ein oder anderen dennoch. Es hilft also nichts. Diejenigen die betroffen sind, müssen sich mit den Folgen des Brexits auseinandersetzen. Egal wie es ausgeht, einfacher wird es nicht.“

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.

Deutsche Unternehmer als Steuereintreiber für Google, Facebook etc.!

Deutsche Unternehmer als Steuereintreiber für Google, Facebook etc.!

Für deutsche Unternehmen könnten saftige Steuernachzahlungen zukommen, denn findige bayrische Finanzbeamte wollten im Rahmen einer Betriebsprüfung ein Unternehmen zur Zahlung von 15% Quellensteuer für die Schaltung von Online Werbung verpflichten.


Der Hintergrund

Die geleisteten Zahlungen an die ausländischen Unternehmen wie Google oder Facebook werden wie eine Lizenzzahlungen behandelt. Diese unterliegen nach dem deutschen Einkommensteuergesetz einem 15-prozentigen Quellensteuerabzug. Die gezahlte Quellensteuer müssten sich dann die deutschen Unternehmer von den IT Giganten z. B. Google oder Facebook als die eigentlichen Steuerpflichtigen erstatten lassen. Der Umweg über die deutschen Werbekunden ist notwendig, weil der deutsche Fiskus kein Zugriffsrecht auf die im Ausland sitzenden Plattformbetreiber hat, berichtete die “Wirtschaftswoche”.

Erste Fälle in Bayern

Ob diese Prüfungsfeststellung der bayrischen Finanzbeamten auch bundesweit Anklang findet, ist aktuell noch nicht entschieden. Hier soll zeitnah eine Entscheidung fallen. Die bayrischen Finanzämter sind vom bayerischen Finanzministerium angewiesen worden, die betroffenen Fälle bis zur endgültigen Festlegung einer bundeseinheitlichen Verwaltungsauffassung offen zu halten.“ Das hilft den betroffenen Unternehmern nur wenig, denn zahlen müssen Sie die Quellensteuer.

Reverse Charge Verfahren in der Umsatzsteuer

Die Idee des Quellensteuerabzugs und somit die Abwälzung der Steuerpflicht auf den inländischen Unternehmer ist nicht neu. In der Umsatzsteuer wird diese Art der Steuereintreibung schon lange praktiziert. Mit dem Reverse Charge Verfahren wird zunächst netto abgerechnet und der deutsche Leistungsempfänger zahlt dann die Umsatzsteuer für den ausländischen Unternehmer. Gleichzeitig kann er die gezahlte Steuer als Vorsteuer geltend machen.

Geplante Digitalsteuer der Bundesregierung

Bereits seit geraumer Zeit plant die Bundesregierung die Einführung einer 15-prozentigen Digitalsteuer auf Onlinewerbung bei ausländischen IT Unternehmen wie Google, Facebook oder Instagram. Bisher scheiterte jeder Antrag.

Ebenso liegt seit rund zehn Monaten der Vorschlag einer EU-weiten Digitalsteuer auf dem Tisch. Bisher scheiterte es aber immer am Veto der EU-Mitgliedsstaaten. Frankreich, Spanien und das Brexit-Land Großbritannien wollen nun die Einführung einer Digitalsteuer im Alleingang einführen.

Das Fazit

Es ist immer wieder erstaunlich, auf welche Ideen Betriebsprüfer und Finanzämter kommen um Steuereinnahmen zu generieren. Unternehmer mit hohen Budgets für Onlinemarketing sollten sich darauf gefasst machen, dass sich der Alleingang der bayerischen Finanzbehörden auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen könnte.

Bei weiteren Fragen können Sie sich jederzeit bei uns melden. Wir unterstützen Sie gerne dabei, Ihre Steuerpflichten zu erfüllen.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.

Der Steuerblog: „Neues Jahr – Neues Steuerglück?“

Steuerblog auf Osthessen-Zeitung

„Der Jahreswechsel ist mittlerweile schon eine Zeit lang her. Vielerorts erinnert nichts mehr an die Weihnachtszeit, außer vielleicht der Schnee in manchen Gebieten von Deutschland. Doch hat sich aufgrund des neuen Jahres etwas verändert bzw. was steht im neuen Jahr an? Damit Sie in Ihr Steuerjahr 2019 richtig gut starten, zeige ich Ihnen in diesem Blog ein paar Neuerungen auf.

 

Grundfreibetrag

Wie in den letzten Jahren üblich steigt auch im Jahr 2019 der Grundfreibetrag. Diesmal um 168 Euro auf 9168 Euro. Hierbei handelt es sich um das sogenannte Existenzminium. Bis zu dieser Grenze bleibt das Einkommen steuerfrei.

Kindergeld und Kinderfreibeträge

Als Elternteil freut man sich immer, wenn den Kindern etwas Gutes getan wird. So sieht es auch der Bund und erhöht das Kindergeld ab Juli 2019 um satte zehn Euro von derzeit 194 Euro auf 204 Euro. Weiterhin können sich die Familien über eine Erhöhung der Kinderfreibeträge freuen. Hiervon profitieren alle, die anstatt des Kindergeldes den Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen.

Baukindergeld – zeitig beantragen

Mit dem sogenannten Baukindergeld fördert der Bund den Ersterwerb von selbstgenutzten Wohnimmobilien, sowohl den Neubau als auch den Bestand. Gefördert wird vom Bund mit Hilfe der KfW Bank der erstmalige Neubau oder der Erwerb von Wohneigentum zur Selbstnutzung für Familien mit mindestens einem im Haushalt lebenden Kind unter 18 Jahren. Das Baukindergeld wird bis zu einer Einkommensgrenze in Höhe von 75.000 Euro zu versteuerndes Haushaltseinkommen pro Jahr und zusätzlich 15.000 Euro pro Kind gewährt. Das Einkommen wird anhand des Durchschnittseinkommens des zweiten und dritten Jahres vor Antragseingang ermittelt. Der Zuschuss in Höhe von 1200 Euro je Kind und Jahr wird über zehn Jahre ausgezahlt. Ein Beispiel finden Sie unter https://stb-kohlhepp.de/JR2018.pdf.

Anstieg des Mindestlohns

Der Mindestlohn steigt im Jahr 2019 von 8,84 Euro auf 9,19 Euro an. Bitte beachten Sie als Arbeitgeber die Aufzeichnungspflichten. In  bestimmten  Branchen  sind  Arbeitgeber verpflichtet,  Beginn, Ende und Dauer  der  täglichen  Arbeitszeit  von  bestimmten  Arbeitnehmern aufzuzeichnen  und  diese  Aufzeichnungen  mindestens  zwei  Jahre  aufzubewahren. Erleichterte  Aufzeichnungspflichten  gelten  für  Arbeitnehmer  mit  ausschließlich  mobilen  Tätigkeiten, die  keinen  Vorgaben  zu Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit unterliegen und die sich ihre tägliche Arbeitszeit eigenverantwortlich einteilen – wie zum Beispiel Zeitungszusteller und Kurierdienst. 
Obacht: Der Zoll kontrolliert, ob die Arbeitgeber den Mindestlohn einhalten.

Verfahrensdokumentation

Seit der Einführung der GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen) wurden zuletzt immer häufiger in Betriebsprüfungen nach Verfahrensdokumentationen gefragt. Diese besteht in der Regel aus einer allgemeinen Beschreibung, einer Anwenderdokumentation, einer technischen Systemdokumentation und einer Betriebsdokumentation. Es muss ersichtlich sein, wie die elektronischen Belege empfangen, erfasst, verarbeitet, ausgegeben und aufbewahrt werden.
Obacht: Fehlt eine Verfahrensdokumentation oder ist diese ungenügend oder fehlerhaft, kann dies zum Verwerfen der Buchführung und entsprechenden Schätzungen führen. Weitere Informationen finden Sie unter https://stb-kohlhepp.de/gobd/.

Regelmäßige Sozialversicherungspflicht bei GmbH Geschäftsführern

Im letzten Jahr hat das Bundessozialgericht in zwei Entscheidungen seine bisherige Festlegung zur Sozialversicherungspflicht von GmbH-Geschäftsführern bekräftigt. Nach diesen Urteilen sind GmbH- Geschäftsführer regelmäßig als Beschäftigte der GmbH anzusehen, die der Sozialversicherungspflicht unterliegen. Sofern der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer mehr als 50 Prozent der Anteile an seiner GmbH besitzt, wird er als nicht abhängig beschäftigt angesehen und unterliegt somit nicht der Sozialversicherungspflicht. Weitere Informationen zur Sozialversicherungspflicht finden Sie unter https://stb-kohlhepp.de/JR2018.pdf oder sprechen Sie uns an.“

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.

Online Händler: Bescheinigung für den Handel auf Online-Plattformen

Das BMF hat mit Schreiben vom 17.12.2018 (BMF, Schreiben v. 17.12.2018 – III C 5 – S 7420/14/10005-06) die Bescheinigung über die Erfassung als Steuerpflichtiger (Unternehmer) veröffentlicht. Mit dieser Bescheinigung weist der Unternehmer (Online Händler) dem Marktplatzbetreiber z.B. Amazon nach, dass er steuerlich registriert ist.

Die Bescheinigung wird für maximal 3 Jahre ausgestellt.

Hintergrund der Bescheinigung ist das Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 11.12.2018. Die Änderungen treten zum 01.01.2019 in Kraft.

Das für den Unternehmer zuständige Finanzamt erteilt auf Antrag die Bescheinigung über die Erfassung als Unternehmer. Für die Antragsstellung kann der Vordruck USt 1 TJ verwendet werden.

 

Der Antrag ist schriftlich per Post oder per Email an das zuständige Finanzamt zu senden.

 

Die Bescheinigung wird von Seiten des Finanzamtes in Papierform ausgestellt.

Das Schreiben sowie die Vordrucke stehen unter folgender Adresse zum Download bereit:

https://www.bundesfinanzministerium.de/downloads

Der Steuerblog: „Advent, Advent ein Lichtlein brennt…“

Steuerblog auf Osthessen-Zeitung

In Kürze beginnt für manche die schönste Zeit im Jahr: Die Weihnachtszeit. Auch für Unternehmen. Viele richten als Dankeschön an die Arbeitnehmer Weihnachtsfeiern aus und überreichen vielleicht sogar ein kleines Dankeschön-Geschenk. Doch was davon kann ein Unternehmer steuerlich absetzen? Hier ist zunächst zu klären, welche Zuwendungen steuerfrei sind.

Welche Zuwendungen steuerfrei sind…
Jeder Unternehmer darf seinem Arbeitnehmer steuerfreie Zuwendungen von insgesamt 110 Euro je Feier zuwenden. Erhält der Angestellte mehr, wird der die 110 Euro übersteigende Teil als geldwerter Vorteil erfasst und muss versteuert werden. Der zu versteuernde Teil kann vom Arbeitgeber pauschal mit 25 Prozent abgegolten werden. Entscheidet sich der Unternehmer gegen die Pauschalbesteuerung, wird der zu versteuernde Betrag der Lohnsteuer unterworfen.

Wie die Zuwendung an den Arbeitnehmer berechnet wird…
Wie bereits oben kurz erläutert, darf der Betrag von 110 Euro je teilnehmenden Arbeitnehmer nicht überschritten werden. Die Finanzverwaltung versteht unter „teilnehmenden Arbeitnehmer“ nur diejenigen, die auch tatsächlich anwesend waren. Doch ist es vielerorts üblich, dass auch die ehemaligen Arbeitnehmer (ehemalige Arbeitnehmer, Praktikanten, etc.) zu der weihnachtlichen Betriebsfeier eingeladen werden. Hier hat die Finanzverwaltung klar gestellt, dass die „Ehemaligen“ auch als Arbeitnehmer gelten. Die anfallenden Kosten der Weihnachtsfeier werden sodann durch die anwesenden Arbeitnehmer geteilt. Die Gesamtkosten dividiert durch die Arbeitnehmer dürfen dann die 110 Euro nicht übersteigen.

Gut zu wissen…
Lädt der Arbeitgeber neben dem Arbeitnehmer auch die Ehefrau zur betrieblichen Weihnachtsfeier ein, verdoppelt sich der Höchstbetrag von 110 € nicht. Bedeutet: Überschreiten die Aufwendungen, die insgesamt auf den Arbeitnehmer und seine Ehefrau entfallen, die 110 Euro, muss der übersteigende Betrag als Arbeitslohn versteuert werden.

Das Dankeschön-Geschenk als Betriebsausgabe
Überreicht der Unternehmer auf der Weihnachtsfeier seinem Angestellten ein kleines Geschenk, so kann dieses in den Freibetrag von 110 Euro einbezogen werden. Gerade bei kleinen Geschenken ist die Verwaltung großzügig.

Umsatzsteuer
Von den Aufwendungen für Betriebsveranstaltungen kann die Vorsteuer abgezogen werden, wenn der Betrag einschließlich Mehrwertsteuer den Wert von 110 Euro je Arbeitnehmer nicht übersteigt. Weiterhin muss der Unternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt sein und eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegen. Werden die 110 Euro Freibetrag überschritten, geht das Finanzamt von einer durch den Arbeitgeber beabsichtigten unentgeltlichen Zuwendung an den Arbeitnehmer aus. Mithin ist ein Vorsteuerabzug aus den Rechnungen für die Speisen, Getränke, etc. nicht möglich, sofern die Verwendung der bezogenen Leistungen für die Weihnachtsfeier bereits beim Einkauf der Waren beabsichtigt war.

Das weihnachtliche Fazit…

Danke sagen lohnt sich also… Wir wünschen allen Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit.“

Praktische Beispiele finden Sie hier.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.

Der Steuerblog: „Lassen sich Straßenanliegerbeiträge absetzen?“

Steuerblog auf Osthessen-Zeitung

„In der osthessischen Medienlandschaft konnte man in den vergangenen Monaten viel über Straßenanliegerbeiträge lesen. Jüngste Beispiele sind die Gemeinde Neuhof und Eichenzell. In letztgenannter Gemeinde wurde im Frühherbst dieses Jahres sogar hitzig mit der osthessischen Politik diskutiert. Aber was bleibt? Sicherlich der Bescheid der Gemeinde und der Ärger der Bürger. In diesem Blog möchte ich eine mögliche steuerliche Absetzbarkeit der zu zahlenden Beiträge aufzeigen. Zunächst ist jedoch der steuerliche Begriff der Handwerkerleistungen im Sinne des Paragrafen 35a Einkommensteuergesetzes zu klären.

Der Steuerblog: „Lohnt sich das Heiraten noch? – Teil 2“

Steuerblog auf Osthessen-Zeitung

„Im ersten Teil des Blogs wurden die steuerlichen Gesichtspunkte einer Hochzeit aufgegriffen und erklärt. Im zweiten Teil werden nun die rechtlichen Aspekte einer Ehe thematisiert. Hierzu habe ich die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Risse & Dr. Strelitz-Risse aus der Frankfurter Straße hinzugezogen, die in diesem Bereich umfassend berät.

Ehevertrag

Schließen die Ehegatten keinen Ehevertrag (bei Lebenspartnern: Lebenspartnerschaftsvertrag), so leben sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Kommt es zur Scheidung, hat der Ehegatte mit höherem Zugewinn die Hälfte des übersteigenden Betrags an seinen Ex-Ehegatten zu zahlen (sogenannter Zugewinnausgleich).

Das kann vielen Unternehmern sprichwörtlich das Genick brechen, wenn die Firmenanteile während der Ehe erheblich an Wert gewonnen haben. Gleiches gilt für Freiberufler. Schlimmstenfalls muss der Unternehmer/Freiberufler hohe Kredite aufnehmen oder Teile des Unternehmens veräußern. Ein Ehevertrag – der übrigens auch schon vor der Eheschließung möglich ist – kann dies verhindern.

Tipp: Durch eine sogenannte Güterstandsschaukel können Ehegatten auch bei intakter Ehe in Höhe des Zugewinns schenkungsteuerfrei Vermögen auf den anderen Ehegatten übertragen.

Gemeinschaftliches Testament

Ein weiterer Vorteil für Ehegatten und Lebenspartner besteht darin, dass sie ein gemeinschaftliches Testament verfassen können, das zwei separate Testamente ersetzt. Wegen der erhöhten Bindungswirkung muss es aber besonders gut durchdacht sein.

Insbesondere bei Unternehmertestamenten gilt es eine ganze Reihe von Besonderheiten zu beachten, beispielsweise die Anordnung einer Testamentsvollstreckung, wenn minderjährige Kinder (Mit-)Erben von Firmenanteilen werden könnten. Sonst droht dem Unternehmen im Todesfall die Handlungsunfähigkeit. Es gilt zudem: Der Gesellschaftsvertrag muss die gewünschte Vererbung zulassen, ansonsten ist er im Rahmen der Nachfolgeplanung anzupassen.

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Irrtümlicherweise wird landläufig davon ausgegangen, dass in Situationen, in denen man selbst nicht mehr in der Lage ist, zu handeln und Entscheidungen zu treffen, automatisch der Ehe-/Lebenspartner oder die Kinder dies stellvertretend tun dürfen.

Dies ist jedoch nicht der Fall: Sie können grundsätzlich nur dann anstelle des Betroffenen handeln, wenn sie aufgrund einer Vorsorgevollmacht durch den Vollmachtgeber im Voraus hierzu bevollmächtigt wurden oder das Betreuungsgericht sie zum Betreuer bestellt hat.

Eine Vorsorgevollmacht vermeidet in der Regel die Bestellung eines Betreuers durch das Gericht und der Bevollmächtigte ist sofort handlungsfähig, wenn es nötig wird. Auch hier gilt für Unternehmer: Der Gesellschaftsvertrag muss eine Vertretung zulassen.

Üblicherweise wird die Vorsorgevollmacht mit einer Patientenverfügung verbunden: Durch eine Patientenverfügung kann im Voraus schriftlich festgelegt werden, welche medizinischen Maßnahmen durchgeführt werden und welche unterbleiben sollen. Liegt keine Patientenverfügung vor, muss der mutmaßliche Wille des Patienten ermittelt werden, was um einiges komplizierter ist und von den Angehörigen zu Recht oft als sehr belastend empfunden wird.

Eines zuletzt: Gemeinschaftliche Testamente, vor allem aber Vollmachten und Patientenverfügungen sollten spätestens nach einigen Jahren auf ihre Aktualität überprüft werden.

Fazit

Die Ehe ist somit steuerlich immer noch interessant. Auch rechtlich bietet sie Vorteile, die weit über die genannten hinausgehen. Eine kurzentschlossene Heirat sollte dennoch gut überlegt sein, denn Scheidungskosten – insbesondere Gerichts- und Anwaltskosten – kann man nicht von der Steuer absetzen. 😉

P.S.: Ein Merkblatt kann unter https://stb-kohlhepp.de/sonstiges/ bzw. 
www.rsr-rechtsanwaelte.de kostenlos heruntergeladen werden.“

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche und rechtliche Beratung. Er soll nur regelmäßig problematische Punkte benennen und etwaigen Handlungs-/Beratungsbedarf aufzeigen.
Dieser Blogbeitrag ist in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Dr. Risse & Dr. Strelitz-Risse in Fulda entstanden. Die Kanzlei Dr. Risse & Dr. Strelitz-Risse berät schwerpunktmäßig im Erb-, Gesellschafts- und Steuerrecht und umfassend bei der Nachfolgeplanung.